Donnerstag, 12. November 2015

Samhain Rückblick


Wir haben sechs Uhr in der Frühe. Katze und Mann schlafen noch und ich bin hellwach. Ich liebe es, an einem freien Tag aufzustehen, wenn alle Fenster noch dunkel sind und es ganz still im Haus ist. Dann koche ich mir einen Tee, werfe die Heizung an und tue etwas nur für mich allein. Heute morgen habe ich Lust, euch von meinem Samhain-Wochenende zu erzählen.



Es war das zweite Treffen unserer Jahreskreis-Gruppe. Vier Frauen machten sich auf den Weg. Zwei kamen aus dem Süden und teilten sich einen Besen. Zwei kamen aus dem Norden und teilten sich einen Besen. Sehr praktisch.  Eine jede brachte mit, was sie tragen konnte: Granatäpfel, Kürbisse, Kartoffeln der letzten Feldernte, selbst gemachtes Apfelmus, verschiedenste Teesorten, verschiedenste Tarotsets, Bücher, Kerzen, Walnüsse, Maronen, Apfelwein, heißen Holunder...

Wir trafen uns im Teutoburger Wald an den Externsteinen. Dort hatten wir eine gemütliche Ferienwohnung mit Kamin und Terasse gemietet. Im Badezimmer wartete eine handgroße Seife in Göttinnen-Form mit Weihrauchduft. Ich hatte sie bereits kurz nach unserem ersten Treffen im Mai gekauft. Seitdem wurde sie vorfreudig gehortet bis wir uns wiedersehen würden. Da wir uns immer an verschiedenen Orten treffen werden, kann so ein kleines Maskottchen nicht schaden, dachte ich mir.
Als im Laufe des Abends alle eintrudelten, flackerte ein zaghaftes Feuer im Ofen und eine Begrüßungssuppe köchelte auf dem Herd. Eigentlich hatten wir uns für den Abend ein erstes Ritual vorgenommen. Aber nach der langen Anreise, dem leckeren Essen und einem Schnack bis nach Mitternacht fielen wir alle müde in die Federn.

Am nächsten Morgen machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein (Samhain?) auf den Weg zu den Steinen. Am Eingang begrüßten uns Flötenlaute eines Barden, die uns bis hoch auf die Steine begleiteten. Es war recht voll auf den Steinen und wir hatten alle Probleme, die viel beschriebene mystische Atmosphäre des Ortes zu erspüren. Dafür beobachteten wir die ersten Gestalten, die sich mit Schlafsack und Co auf eine späte Feier an den Steinen einrichteten. Jenseits der Besucherströme würden sie mit Sicherheit in Stimmung kommen.
Am Fuße der Felsen fanden wir einen kleinen Gabentisch und freuten uns über Zeichen gleichgesinnte Besucher.


 
Wir nutzten das gute Wetter und gingen im bunten Herbstwald spazieren. Da wir uns so selten sehen, besteht ein großer Anteil unserer Treffen einfach nur aus Gesprächen. Für mich ist das unheimlich wichtig, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen für alles, was in Zukunft kommt. So langsam nähern wir uns aneinander an und werden vertrauter miteinander. Das ist schön.
Im Wald begegnete uns viel Ilex. Eine von uns nahm kurzerhand einen Ableger für ihren Balkon mit. Eine schöne Erinnerung an unser Wochenende. 
 
Wieder zuhause machten wir uns über selbst gebackenen, veganen Kürbiskuchen <3 und Getreidekaffee her. Es kristallisierte sich schon beim ersten Treffen heraus, dass wir eine Schwäche fürs Orakeln haben. War es an Beltane das Tarot, versuchten wir uns diesmal im Lesen von Kaffeesatz. Also, das könnte ich glatt zu meiner Berufung machen, aus seltsamen Formen etwas Sinnhaftes zu deuten. Macht mir ungemein Spaß. Eine von uns hatte sogar ein Wildpferd mit wehender Mähne in ihrer Tasse -wie schön ist das denn bitte? :-) 

Später am Abend bauten wir unseren Ahnentisch auf und schnitzten Laternen. Danach bereiteten wir den Ahnenschmaus zu und tafelten in gemütlicher Atmosphäre. Draußen leuchteten unsere Kürbisse um die Wette und drinnen dekorierten Herbstblätter und Kerzen unseren Tisch. 


Wir kamen ins Gespräch über unsere Großeltern und erfuhren, dass zwei von uns kaum Bezug zu ihren Ahnen haben. Kein Wunder, dass für sie das Samhainfest eine weniger große Rolle spielt. Wir unterhielten uns darüber, was es ausmacht, wenn man seine Vorfahren nicht kennt bzw. was wir von ihnen noch in uns tragen -an Familienkrankheiten und lästigen Verhaltensmustern ;-) Nein, unsere Ahnen wurden natürlich gebührend geehrt und willkommen geheißen, wie es sich für das Totenfest gehört. Am Kopfe des Tisches stand ein Ahnenteller bereit, am anderen Ende wachte Ceridwen über uns.
 


Als alles gegessen und getrunken war, begann der Ritualteil unseres Tages. Ich hatte mir eine Art Gruppengründungsritual gewünscht. Die Idee habe ich von der Besitzerin eines Esoterikladens in meinem Wohnviertel. Wir bildeten einen Sitzkreis im Wohnzimmer. Hinter uns flackerte das Feuer im Kamin. In unserer Mitte stand ein Kerzenhalter aus fünf Frauen, die sich die Hände reichen. Um sie herum leuchteten Kerzen und Herbstfrüchte. Jede von uns brachte ein Band mit, das ihre bisherige Lebensreise verkörpern sollte. Die Bänder legten wir vor uns aus, bis sie sich in der Kreismitte trafen. Nun erzählten wir uns von unseren jeweiligen Lebensphasen: Kindheit, Jugend, Ausbildung etc. Manche hatte Fotos und Erinnerungsstücke mitgebracht, die gezeigt werden konnten. Andere erzählten frei ohne Mitbringsel. Nach und nach entstand ein bunter Teppich aus Erinnerungen und Erfahrungen, die miteinander verglichen und zusammen durchlebt werden konnten. Jede erzählte nur, was sie preisgeben wollte. Aber das war schon eine ganze Menge. Schmerzhaftes und Schönes, Trauriges und Lustiges wurde aus unserer Vergangenheit in die Gegenwart geholt. Vor allem, wenn nicht nur preisgegeben wird, was gut und glatt lief im Leben, fühle ich mich vertrauter mit meinen Mitmenschen und sie gewinnen an Persönlcihkeit für mich. Ich jedenfalls fühlte mich nach diesem Ritual der Gruppe deutlich näher als vorher. 

Eigentlich wollten wir noch eine schamanische Reise zu unseren Ahnen machen. Nach unserem Gruppenritual waren wir jedoch viel zu müde und mussten die Reise schweren Herzens verschieben.

Am nächsten Morgen frühstückten wir bei herrlichstem Herbstwetter auf der Terasse. Dieses Glück hatten wir schon an Beltane in Satzvey. Es scheint so eine Art Abschiedsritual zu werden. Als wollte uns die Sonne noch mal ihr Wohlwollen zeigen. Anschließend suchten wir uns einen Baum im Wäldchen hinter der Wohnung und flochten unsere "Lebensbänder" zusammen, so wie wir es auch schon an Beltane getan hatten. Dabei kommt mir immer der Tanz der Druidinnen in den Sinn, den man im Vorspann der Serie "Outlander" sieht. Dieser Rhythmus, in dem wir die Bänder flechten, hat für mich etwas ganz Archraisches, so wie der Tanz auch. Hoffentlich finden wir irgendwann mal einen Baum mit viel Platz für dieses Ritual. Bis zum nächsten Mal, liebe Druidinnen ;)








Kommentare:

  1. OOOhhhh, wie wundervoll - so magisch und atmosphärisch und einfach echt. Ich konnte mich in Deinen Bericht richtig reinversetzen, Du hast mich regelrecht mitgenommen <3
    Ich wünsche Dir weiterhin noch eine gesegnete Ahnenzeit und sage bis bald!

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    1. Danke, du liebe! Schön, dass du mal wieder vorbei schaust und auch danke für deine Glückwünsche zum Nachwuchs ;-) Ich komme im Moment auch nicht so richtig zum Bloggen oder Lesen, aber das wird sich bald hoffentlich ändern. Liebe Grüße!

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  2. Sehr schöne Idee, sowas zu machen! Wenn ihr das nächste Mal an den Steinen seid, gebt mir gerne Bescheid. Ich bin eine Hexe aus Paderborn und würde gern auf ein Schwätzchen unter Frauen vorbeikommen.

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