Sonntag, 1. März 2015

Das Märzchen - Ein Frühlingsbrauch

Pünktlich zum ersten März möchte ich euch einen Frühlingsbrauch vorstellen, den ich vor Jahren in Berlin kennen lernte. Ihr werdet ihn bestimmt genau so schön finden wie ich.

In meinem Büro in Berlin bekam ich einmal Anfang März ein Geschenk von einer lieben Kollegin, die aus Bulgarien stammte. Sie brachte mir einen Anhänger aus rot-weißer Wolle mit. Dies sei ein Marteniza (nach dem bulgarischen Wort für März benannt), erklärte sie, ein Talisman, das man sich in Bulgarien am ersten März schenke. Man hefte es traditionell über die linke Brust an den Mantel oder trage es um das Handgelenk gebunden. Abnehmen dürfe man es erst, wenn man ein erstes Frühlingszeichen (einen Storch, eine Schwalbe oder einen blühenden Busch) sehe. Dann hänge man das Marteniza in einen Baum und wünsche sich etwas.


Märzchen
 By Elena Chochkova, via Wikimedia Commons

Rot-weiß

Das Marteniza oder auch Märzchen ist typischerweise aus roter und ein weißer Wolle gemacht, die ineinander verdreht wird. An den Enden baumeln Quasten, Püppchen oder auch aufwändigere Symbole. Alle sollen Fruchtbarkeit, Gesundheit und Glück symbolisieren oder aber etwas, das man sich ganz konkret wünscht. Zum Beispiel tragen Frauen, die sich ein Kind wünschen, gerne rot-weiße Störche.

Die Farben Rot und Weiß haben eine mehrdeutige Symbolik. Meine Kollegin erzählte mir, das Weiße stünde für alles, was man loswerden wolle, das Rote für das, was man sich wünsche. Wenn ein Storch über ein Marteniza hinwegflöge, nehme er alles "Weiße" mit und sorge dafür, dass das "Rote" in Erfüllung gehe. Wenn man bedenkt, dass Februar und März die typischen Winteraustreibungs-Monate sind, passt diese Symbolik sehr gut. Weiß kann für den Schnee stehen, den man zusammen mit dem Winter hinter sich lassen will. Rot ist wiederum eine Symbolfarbe für die Sonne und für Fruchtbarkeit (Blut), die man herbeisehnt. Das rot-weiße Marteniza soll also allgemein den Frühling anziehen. Gleichzeitig dient es aber auch der ganz persönlichen Wunscherfüllung.

Marteniza Tree
By Eola, via Wikimedia Commons


Baba Marta

In Bulgarien wird der Monat März volkstümlich Baba Marta (Oma Marta) genannt. Man stellt sich darunter eine etwas grimmige alte Frau vor, die  Kälte und Schnee übers Land bringen kann, wenn sie will. Deshalb funktionieren die Märzchen in Bulgarien auch wie eine Art Opfergabe, die Baba Marta mild stimmen soll. Die Figur der Baba Marta kann man vielleicht ein bisschen mit unserer volkstümlichen Frau Holle vergleichen, die für Schnee sorgt.

Wunscherfüllung

Spätestens am ersten April muss man sein Marteniza in einen Baum hängen. In Bulgarien sind zu diesem Zeitpunkt viele Büsche und Bäume zu sehen, die überladen sind mit den kleinen Frühlingsbändern. Nun werden die Wünsche von Baba Marta oder einem Storch davongetragen und erfüllt. Ich muss bei diesem Bild immer an die tibetischen Gebetsfahnen denken, die ähnlich funktionieren. Auf Stoffstücke aufgemalte Wünsche flattern im Wind und werden von ihm mitgenommen, um sich in der Welt zu manifestieren. Wunderschön.

Marteniza Tree
By Vassia Atanassova - Spiritia, via Wikimedia Commons


Dein Märzchen?

Ich habe ganz klassische Marteniza gebastelt und verschicke sie nächste Woche mit der Post. Ich finde, es ist ein sehr schöner Brauch, den man leicht im Familien- und Freundeskreis etablieren kann. Denn jeder freut sich momentan auf den Frühling. Durch die Marteniza wird diese Vorfreude unterstützt und bekommt ein Ventil. Und man wird wachsamer für Frühlingsanzeichen. Es ist ein Brauch, der Freude und Optimismus verbreitet und gehört deshalb zu meinen allerliebsten.

Ein Marteniza kann man leicht selbst herstellen. Wenn du dazu Lust hast, schau mal in eins der vielen Tutorials auf Youtube rein. Dort findest du bestimmt dein passendes Märzchen. Wer gerne eins mit mir tauschen möchte, melde sich hier oder per Email bei mir!

Kommentare:

  1. Ich bin begeistert, was für ein zauberhafter Brauch! <3 Das merke ich mir auf jeden Fall, wenn nicht für dieses Jahr, dann ganz sicher fürs nächste. :)

    Herzliche Grüsse
    Nicky

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  2. Ein toller Brauch, danke fürs teilen!!!
    Liebe Grüße,
    Karmi

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  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  4. Das ist wirklich ein wunderschöner Brauch! Ich liebe solche einfachen, kleinen Zauber, die keinen großen Aufwand brauchen um groß zu wirken!

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