Donnerstag, 5. Februar 2015

Achtsamkeit gegen Winter-Bashing

Ich kenne viele Leute, die jetzt gerade immens genervt sind von den letzten Winterwehen. Angeblich ziehe er sich ewig hin und sie seien es satt. Kann ich mit chronischem Lichtmangel natürlich gut nachempfinden. Aber manchmal kann ich das alljährliche Jammern über den Winter nicht mehr hören. Denn: der Winter hat doch viel zu bieten, wenn man genau hinsieht.
 

Kleine Winterwunder

Auch wenn Lichtmess schon hinter uns liegt, sehne ich persönlich mich nach ein bisschen Eis und Schnee. Mir fehlt einfach etwas, wenn es in den Frühling übergeht, ohne dass es mal richtig geschneit und gefroren hat. Hier im Norden sind wir damit bisher nicht gerade gesegnet worden. Klar, wenn man morgens früh raus muss, um sein Auto freizukratzen, denkt man wahrscheinlich anders darüber. Aber davon abgesehen gibt es doch auch viele schönen Dinge, die der Winter uns schenkt. Neulich bin ich losgezogen und habe ihm aufgelauert. Und siehe da, zwischen matschigen Wiesen und Straßenpfützen ist er auch bei uns zu finden:
 



Ich richte meine Aufmerksam lieber auf die kleinen Schönheiten, die der Winter hier und da zurücklässt, als über ihn zu jammern. Auch, wenn ich es natürlich nicht genieße, morgens um im Dunkeln aufzuwachen. Auch frieren mag ich nicht besonders. Aber mal Hand aufs Herz: Könnten wir die Wärme und das Licht genießen, wenn es IMMER da wäre? Ich nicht. Ich brauche die Abwechslung. Und ich freue mich jedes Jahr auf den Duft von Frühblühern im Park. Diese Freude nach langem Warten will ich nicht missen.
 

Augen auf: Vorfrühling!

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Jaja, den alten Vers kann man auch einfach mal umdrehen. Ich versuche die ollen Winter-Meckerer davon zu überzeugen, dass der Frühling doch schon auf dem Vormarsch ist. Ich zeige ihnen, dass im Park schon die Frühblüher sprießen, die Vögel zwitschern und das Eichhörnchen seine Liebespartner durch die Bäume jagt. Da draußen ist jetzt schon so viel los! Und was total spannend ist: Jetzt gerade können wir für kurze Zeit zwei Jahreszeiten gleichzeitig erleben: Schnee, Eisblumen, kalter Wind UND blühende Zweige und Vogelträllern.
 
 
 
Ist ja ganz nett, sagen die Wintermeckerer, aber das reicht nicht. Solange die Mäntel nicht geöffnet und die Wiesen im Park nicht besetzt werden können, ist es draußen unerträglich. Mich beschleicht das Gefühl, sie wollen lieber kollektiv übers Wetter jammern. Scheint zum Wir-Gefühl der Deutschen im Winter zu gehören^^
 

Frierst du noch oder lebst du schon?

Wenn gar nichts hilft gegen das Leiden am Winter, kann man das Leiden selbst ins Positive wenden. Oder es zumindest versuchen. Auch Frieren kann zum Beispiel schön sein. Wenn ich im Winter morgens aus der Dusche steige, ist mir kalt, richtig kalt. Wir müssen nämlich ohne den Luxus einer Badheizung leben. Das ist zuerst ein äußerst unangenehmes Gefühl und ich will schleunigst! dass es aufhört. Aber dann mache mir etwas klar: In dem Moment, indem ich friere, spüre ich meinen Körper ganz intensiv. Ich spüre den Schmerz auf der Haut, das Prickeln, das Zittern. Ich spüre überhaupt einmal, dass ich eine Haut habe, Muskeln, Gliedmaßen. Kurz: Ich spüre, dass ich lebe. Wann kommt man denn in unserem Leben voller Annehmlichkeiten, Heizdecken und Vollautomatik noch in diesen Genuss? Seit ich mir das nach der Dusche kurz bewusst mache, trockne ich mich nicht mehr in Zeitraffer ab. Ich atme einmal tief ein und aus und nehme das Kältegefühl ganz bewusst wahr. Ich versuche es nicht negativ zu bewerten. Schmerz ist Schmerz ist Schmerz und geht vorbei. Ich sterbe nicht daran, ich werde auch nicht krank davon. Ich darf nur für ein paar Momente am Tag spüren, dass ich friere und am Leben bin.
 
Danke, lieber Winter.

Kommentare:

  1. Ich friere, und momentan noch mehr als sonst, da ich krank bin. Aber ehrlich, ich finde die Zeit momentan ganz wunderbar. Dieses langsame Erwachen, die Vorfreude auf den baldigen Frühling, und die Freude, wenn man draußen schon ein paar Vögel hört, die ersten in diesem Jahr. Und dann die Gemütlichkeit, wenn draußen noch mal Schnee fällt oder der Sturm ums Haus bläst. Ist doch toll!
    Ohne einen richtigen Winter kann ich irgendwie auch die warme Jahreszeit nicht so recht genießen. Ich brauche es kalt und verschneit, ich weiß nicht warum. Ich mag den Winter.

    Viele Grüße,
    Sandra

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  2. Hallo Maren,
    besser hätte man es nicht ausdrücken können :o) Der Winter ist wunderbar, auch wenn wir frieren. Er hat so viel Schönes zu bieten und mir geht es auch gehörig auf den Senkel, wenn die Leute jetzt schon meckern, obwohl wir doch jetzt erst die ersten richtig kalten Tage haben. Aber meist sind das auch diejenigen, die sofort das Zetern anfangen, wenn es wärmer wird. Dann ist es zu heiß oder was auch immer.
    Ich finde schön, wie du den Winter positiv bewertest und seine Schönheit erkennst.
    Liebe Grüße
    Sjel

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  3. Ich mag deine Gedanken und wie du es schaffst, die positiven Seiten hervorzuheben. :)
    Und ja: So richtig Eis und Schnee wäre wirklich schön, damit es sich auch anfühlt wie *richtiger* Winter, zumindest kurz noch mal...

    Mir fällt auch schon auf, wie die Tage länger werden und seit ein paar Tagen höre ich wieder Vögel.

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  4. Danke für dieses eindringliche Plädoyer für den Winter (auch euch achtsame Kommentatorinnen!)
    Auch ich bin eine Liebhaberin des Jahreskreises mit allen seinen Zeiten: Auch jener. Wir brauchen diese Zeit der Kälte und des - scheinbaren - Stillstands, der Leere nach der Fülle des Sommers... Um zur Ruhe zu kommen, nach innen zu gehen, dort die Wärme und Geborgenheit zu finden, die uns im Außen fehlt. Oder draußen eine andere, stillere Schönheit zu entdecken, genau !
    Nur mit dem Winter ist der Kreis komplett und rund. Ich liebe den Schnee, auch wenn er in diesem Jahr allzu schnell wieder wegtaut. Die Eiszapfen, den eisigen Wind - ein sinnlicher Schmerz, ein Teil des Lebens und der Lebendigkeit, da hast du recht. Zehnmal besser als ein ewiger Sommer oder Ferienflüchten in den Süden. Hier sein. Da sein. Das was da ist, wertschätzen.

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