Freitag, 9. August 2013

Bilanz gezogen: Wie geht es mir als frischer Vegetarierin?

Ganz im Sinne dieser Zeit habe ich Bilanz gezogen und geschaut, wie meine Vorsätze von Neujahr sich entwickelt haben. Wie ist es mir zum Beispiel mit meinem Wunsch, vegetarisch zu leben, ergangen?

ZUERST die gute Nachricht: Ich finde es überhaupt nicht so schwierig, wie es mir von einigen Leuten prophezeit wurde. Zwar habe ich hin und wieder nochmal Fleisch gegessen, dann aber eher aus Höflichkeit (Essen bei den Schwiegereltern zum Beispiel) oder aus "Not" (beim monatlichen gemeinsamen Lunch im Büro gibt's meistens nichts Vegetarisches). Bisher hatte ich keinen "Fleisch-Entzug", obwohl ich vorher täglich (beschämenderweise, wie ich nun finde) Fleisch gegessen habe. Ich mag meine fleischlosen Rezepte sehr gern. Ich bin mir aber sicher, dass es schwerer werden wird, wenn ich nächstes Jahr auf vegan umstelle..

Nun zur schlechten Nachricht: Ich habe mich auf meine Ernährungsumstellung gefreut und war anfangs stolz, Leuten zu erzählen, dass ich nun nicht mehr beitrage zur kollektiven Tiermisshandlung. Was ich aber sehr schnell feststellen musste: man erntet nicht unbedingt Lorbeeren, wenn man sich zum Vegetarismus bekennt (nicht, dass das meine Motivation gewesen wäre)! Im Gegenteil, in den meisten Fällen wurde ich auf die ein oder andere Weise sanktioniert für Vegetarismus. Ich habe verächtliche Blicke geerntet, Verständnislosigkeit, Belächelung bis hin zu Mitleid für meine "Verirrung", Diskussionen über den Sinn von vegetarischem Leben und Sätze wie "Ganz ehrlich, da machst du es dir aber schon ganz schön schwer..." oder "Immer diese Gutmenschen...". Die meisten Menschen haben schlicht nie über ihr Ess- bzw. Konsumverhalten nachgedacht und wenn sie es tun, verdrängen sie es schnell wieder. Andere plappern einfach die Meinung anderer nach, weil diese Mainstream-Haltung ankommt oder man sich  hervorragend mit anderen gegen jemand Drittes solidarisieren kann, der bzw. die eine abweichende Haltung vertritt. Ja, auch das habe ich erlebt, vor allem im Büro, wo ich ohnehin heraussteche wie eine bunte Öko-Kuh. Versteht mich nicht falsch, es ist für mich völlig ok, wenn jemand nicht vegetarisch leben möchte. Ich erwarte aber den gleichen Respekt im umgekehrten Fall. Das ist mir eher selten passiert und das finde ich sehr schade.

Bei meinem "Outing" in meiner Familie, sagte mein Onkel "Dann müsstest du ja auch das Gemüse hier vermeiden, das ist auch ein Lebewesen."- diesen Kommentar konnte ich mehr nachvollziehen, als er denkt. Kurz darauf nahm mich dann meine Tante hopps "Hier, diese Tomate ist extra für dich gestorben." Man wird also nicht ernst genommen mit dieser Einstellung. Das hätte ich nicht erwartet. Geht/Ging euch das auch so und lässt euch das kalt? Bei mir hat es im Moment leider den Effekt, dass ich mich manchmal zurückhalte und mir verkneife, mich als Vegetarier zu outen. Vielleicht ist das aber auch nur ein Anfangs-Phänomen...

Kommentare:

  1. Zunächst mal: Ich lebe nicht vegetarisch und bin NICHT solz darauf. Irgendwie finde ich immer noch Ausreden... Aber mal schauen was noch kommt ;-)
    Jedenfalls finde ich es unmöglich, wie da auf Dich zugegangen wird und möchte Dir sagen (wenn es auch sicher leichter gesagt ist, als getan): Nimm Dir davon bloß nichts an. Stell das ruhig deutlich (wenn auch freundlich, denn sonst heißt es noch Du seiest vor Heißhunger hysterisch) klar, dass es Deine Lebensweise ist und bitte ernst zu nehmen, da eben ganz allein Deine Sache. Du bekehrst ja schließlich umgekehrt auch niemanden, insofern darfst Du ruhig dasselbe erwarten...

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    1. Danke, dass du mich verstehst, athena! Mich macht das auch ganz wütend mitunter. Ich werde mir wohl tatsächlich ein dickeres Fell und eine bestimmte Haltung wachsen lassen müssen...

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  2. Ich finde es ja immer schlimm jemanden zu diskriminieren, egal in welche Richtung es geht. Ich habe schon das entgegengesetzte erleben müssen und das von damals "guten" Freundinnen, die regelrecht eine Hetzjagt auf mich gemacht hatten, weil ich eben keine Vegetarierin war. Dass ich selten Fleisch esse und rein gar keine Probleme damit habe auch über Monate vegetarisch zu leben, das halt ich persönlich nicht für nötig allen unter die Nase zu reiben. Aber gerade beim Thema Ernährung (vielleicht weil Vegetarismus bwz. Veganismus) momentan total angesagt ist, wird es manchmal richtig schlimm. Deshalb behalte ich meine persönliche Ernährungsphilosophie am liebsten für mich. ;)

    Lass dich davon nicht fertig machen, wer weiss was sie schon für Erfahrungen gemacht haben,die sie so gereizt auf dieses Thema reagieren lassen. Nein, fair ist es sicherlich nicht, aber es hindert dich ja auch nicht daran deinen ganz eigenen Weg weiter zu gehen. Lass sie schimpfen... ;)

    Liebe Grüsse
    Nicky

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    1. Danke, Nicky!* Das kann ich mir gut vorstellen, dass es auch in die andere Richtung sehr ungemütlich werden kann!
      Dass Vegetarismus angesagt ist, dachte ich eigentlich auch und daher bin ich erst recht verwundert über die Kommentare...Aber es kommt wahrscheinlich nach wie vor darauf an, mit wem man so zusammen ist. Der konservative Mainstreamer scheint da immer noch skeptisch zu sein...

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  3. Diese Kommentare sind ganz normal. Ich kenne nur Veggies, die das gleiche erlebt haben. Als Fleischesser muss man für gar nichts Rechenschaft ablegen und kann die größte Umweltsau sein ohne sich kritisieren zu lassen, aber wenn man versucht, durch vegetarische oder vegane Ernährung zumindest einen wichtigen Teil besser zu machen - ja dann muss man auf einmal in wirklich ALLEN Bereichen perfekt sein, sonst ist es ja inkonsequent (Sinn?) - daher dieses absolut dämliche Beispiel mit den Pflanzen (ist ja auch so logisch, das Schmerzempfinden von Lebewesen mit und ohne zentralem Nervensystem zu vergleichen) - gerade mit der Tomate ist es besonders lächerlich, denn da stirbt die Tomatenpflanze ja selber nicht einmal, sogar FrutarierInnen würden sie also essen.

    Diese doofen Sprüche werden nach meiner Erfahrung mit der Zeit weniger. Bzw. man legt sich eine dickere Haut zu und die anderen merken, dass es langweilig wird, einen damit zu nerven. Ich reagiere auf sowas immer gerne mit ausgiebigem Gähnen - denn es ist wirklich immer die selbe Leier :D

    Ich finde es gut, was du machst. Und lass dir gesagt sein - vegan leben ist einfacher als man vorher denkt. Zwar hat das Umfeld dann dafür vielleicht noch weniger Verständnis, aber es eröffnen sich auch völlig neue Welten was Essen und Kochen angeht - jedenfalls hat sich mein Speiseplan seitdem sehr stark erweitert.

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    1. Danke dir, zombiekatze <3 Ich hoffe auch darauf, dass es mich mit der Zeit nicht mehr so nervt wie in diesem ersten halben Jahr...Das mit dem Gähnen ist eine gute Idee -es sei denn, es heißt dann, ich hätte Eisenmangel ;-D

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  4. Ich kenne diese blöden Sprüche leider auch zur Genüge. Ich habe ganz liebe Freunde und Kollegen die respektieren, dass ich Vegetarierin bin und total lieb darauf achten z.B. Weingummi ohne Gelatine zu kaufen.
    Andererseits darf ich mir sogar von einigen meiner Freunde blöde Kommentare anhören - gerade beim Grillen o.ä. Ich erwarte von niemandem, dass er sich dafür rechtfertigt Fleisch zu essen, warum muss ich mich rechtfertigen auf Fleisch zu verzichten? Mich macht das schon echt traurig

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